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Professor Adolf Ledebur

Geboren am 11. Januar 1837 in Blankenburg als ältester Sohn des Postmeisters Wilhelm Christian Ledebur

Mit umfangreichem theoretischen und berufspraktischen Wissen ausgerüstet, bewirbt sich Ledebur um eine freie Hüttenaspirantenstelle in der Gräflich Wernigeröder Eisenhütte zu Ilsenburg und wird angenommen.

Damit beginnt eine zwar relativ kurze Periode von 7 Jahren, in denen der überaus begabte junge Hüttenmann Ledebur seine bereits reichen praktischen Erfahrungen der Eisen- und Stahlerzeugung an der Seite seines künftigen Schwiegervaters Eduard Schott vervollkommnet.
Dieser war bereits landesweit der anerkannte Fachmann der Kunstgussfabrikation und Begründer des exzellenten Rufs der Ilsenburger Gießerei.
1866 heiratet Ledebur Schotts Tochter Maria.
Die Persönlichkeit Schotts und dessen Verdienste sind bekannt und gewürdigt.
Ledeburs Verdienste für die technische Entwicklung der Hüttenindustrie sind hingegen wenig bekannt und werden nachfolgend erläutert.

Seine wichtigsten drei Verdienste

1. Die experimentelle Erforschung der Zusammenhänge zwischen chemischer Zusammensetzung. Gefügeumwandlung der Schmelze zum erstarrten Kristallgefüge und Werkstoffeigenschaften von Eisen und Stahl. Die Ergebnisse, u. a. dargestellt als Eisen-Kohlenstoff-Diagramm, sind beim Studium der Eisenhüttenkunde bis heute nicht wegzudenken. Nicht das Bruchaussehen und das Korn, sondern die chemische Analyse sollte künftig die Grundlage der Bewertung des Roheisens abgeben – so eine seiner

Grundthesen.
Ledebur entwickelte das erste brauchbare Verfahren zur Sauerstoffbestimmung im Eisen und vertiefte die Kenntnisse über den Einfluss von Silizium, Schwefel, Chrom, Mangan, Aluminium und anderen Elementen auf die Beschaffenheit und Eigenschaften des Eisens.

2. Ledeburs Bekanntheitsgrad in vielen Teilen der Welt hängt mit dem Begriff „Ledeburit“ zusammen. Darunter versteht man jenes Eisengefüge, in dem unzerfallene Eisenmischkristalle und Kohlenstoff als Zementit (FesC) im Eutektikum vorkommen.

3. Sein bedeutendstes Hauptwerk, das Handbuch der Eisenhüttenkunde mit 9 Auflagen, ist jenes Werk, das seinem Verfasser einen großen Teil seines fachlichen Ruhmes eingebracht und in hohem Maße zur Verbreitung seines Namens beigetragen hat. In 3 großen Bänden hat Ledebur erstmalig ein in sich geschlossenes wissenschaftliches Gesamtgebäude aller metallurgischen Stoffumwandlungsprozesse geschaffen, einschließlich der verfügbaren technisch – technologischen Anlagen und Ausrüstungen. Das genannte Handbuch war mehr als 4 Jahrzehnte hindurch das wichtigste Lehr- und Nachschlagswerk der Eisen- und Hüttenleute.